Alterssuizid – ein trauriger Trend

Alterssuizid – ein trauriger Trend

1. April 2019

Je höher das Alter, desto höher das Suizidrisiko. Besonders in Deutschland haben es alte Menschen nicht leicht.

Es gibt verschiedene Gründe, die insbesondere bei älteren Menschen zu Depressionen führen.  Dazu gehören Einsamkeit, der Verlust von Lebenspartnern aber auch von sozialen Rollen, wie einst im Berufsleben. Außerdem belasten Krankheiten, denen man im Alter ausgesetzt ist. Die Angst vor dem Verlust der Autonomie ist bei älteren Menschen besonders ausgeprägt.

Der Suizid von älteren Menschen wird meist sorgfältig geplant und die Überlegung ist endgültig. Ihre Suizidversuche sind eher nicht als Hilfeappelle an andere zu verstehen, sondern als letzter Akt in einer hoffnungslos erscheinenden Lebenslage. Und diese Lage heißt Alter.

Sebastian, Altenpflegefachkraft aus Bochum, hat in seiner 7-jährigen Zeit im Pflege Job mit vielen Senioren gesprochen, darunter leider auch mit einigen unglücklichen Menschen. „Für die alten Menschen wird alles weniger. Das ist der Prozess, den man Altern nennt. Das Welken, Vergehen, Hinscheiden - so nehmen es viele Alte wahr und der Suizid ist eine Möglichkeit, sich dem zu entziehen.“ Für Sebastian zählen auch diejenigen dazu, die sich aufgeben: „Ich habe Pflegebedürftige gesehen, die auf ihre Medikamente verzichten wollten und nicht mal mehr was trinken oder essen wollten. Vielleicht werden diese Menschen nicht zu den Statistiken dazugezählt, aber für mich ist das auch Suizid.“ Die Zahlen sind eindeutig, je älter eine Person, desto höher die Suizidrate.

Die Suizide steigen an, je höher das Alter wird.

Manche Einrichtungen bieten Hilfe an, z.B. durch spezielle Pflege Jobs wie Seelsorger/innen. Janina ist Seelsorgerin in einem Krankenhaus und erklärt ab wann ein alter Mensch für sie depressiv ist: „Wenn er merkt, dass seine körperlichen oder geistigen Kräfte nachlassen, wenn er unablässig grübelt über sich selbst und seine Zukunft. Wenn er auch körperliche Beschwerden hat, die nicht ausreichend durch somatische Befunde zu erklären sind. Oder wenn er sich Selbstvorwürfe über seine Vergangenheit macht. Dann ist es Zeit, sich Hilfe zu holen, damit ihm diese Hoffnung wiedergegeben werden kann.“

Depressive Phasen im Alter werden zu selten psychotherapeutisch behandelt. Die Suizidrate ist auch deshalb höher als bei Jüngeren. Dabei ist Hilfe möglich. Neueste Ergebnisse der Neurowissenschaften zeigen, dass das Gehirn bis ins hohe Alter sehr plastisch und veränderbar ist. Depressionen im Alter sind also genauso gut zu behandeln wie in jedem anderen Lebensabschnitt.

Auch Janina weiß, was Altern für Senioren bedeutet: „Alt werden heißt für manche, dass es abwärtsgeht und, dass die Diskrepanz zwischen dem damaligen und dem heutigen Leben immer größer wird. Keine Zeit bleibt mehr, um unerfüllte Träume zu verwirklichen oder es gibt keine Träume mehr.“

Wer nicht mehr das Gefühl hat, gebraucht zu werden, verliert leicht den Sinn in seinem Leben. In 50 Jahren wird jeder dritte Deutsche über 60 Jahr sein und jeder zehnte über 80 Jahr sein. Wird die Gesellschaft in Zukunft es schaffen, eine Kultur des Alterns zu entwickeln oder muss die Suizidrate weiter steigern?

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