Coronabonus für Pflegekräfte – eine Milliarde Euro

Coronabonus für Pflegekräfte – eine Milliarde Euro

7. April 2022

Coronabonus für Pflegekräfte – eine Milliarde Euro

Der Gesetzesentwurf zum Coronabonus für Pflegekräfte wurde beschlossen. Ist er eine große Geste der Regierung oder ein Tropfen auf den heißen Stein?

Die Pflege ist das Berufsfeld, das die Folgen der Coronapandemie mitunter am meisten abgefangen hat. Dafür wurde Pflegerinnen und Pflegern applaudiert – ein Kompliment, das keinen tatsächlichen Nutzen mit sich brachte. Nun hat der Bund beschlossen, dass Pflegekräfte für ihren Einsatz in der Pandemie belohnt werden sollen und einen Coronabonus erhalten. Der entsprechende Gesetzesentwurf stellt dafür eine Summe von einer Milliarde Euro zur Verfügung. Das Geld soll zur Hälfte in die Kranken- und zur Hälfte in die Altenpflege fließen.

Lauterbach spricht sich für Coronabonus aus

Karl Lauterbach sieht die Bonuszahlung als wichtiges Zeichen “auch in Zeiten knapper Kassen”, das nicht das einzige bleiben solle. Er sprach sich darüber hinaus für eine allgemein höhere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen aus. Derart hatte sich zuvor bereits Bundeskanzler Olaf Scholz positioniert.

Wie wird der Coronabonus für Pflegekräfte aufgeteilt?

Die 837 Kliniken, die im letzten Jahr mehr als zehn beatmete Coronapatienten versorgt haben, sollten 500 Millionen Euro Coronabonus erhalten. Wie viel Geld die einzelne Pflegekraft ausgezahlt bekommt, ist allerdings noch nicht klar. Der Bonus wird gestaffelt unter Pflegerinnen und Pflegern aufgeteilt, sodass die genaue Zahl der Empfänger die Höhe beeinflusst. Sie wird durch das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus ermittelt.

Intensivpfleger und –pflegerinnen sollen für ihre Arbeit mit der höchsten Summe von bis zu 2.500 Euro belohnt werden und damit das 1,5-fache dessen erhalten, was andere Pflegekräfte bekommen. Pflegefachkräfte sollen maximal 1.700 Euro erhalten. Voraussetzung für den Erhalt der Boni ist, dass die Pflegekraft mindestens drei Monate lang in der Klinik beschäftigt war.

Ähnliches gilt für die Altenpflege: Sie erhält die restlichen 500 Millionen Euro Coronabonus. Auch diese Summe wird gestaffelt unter den für mindestens drei Monate in den Einrichtungen beschäftigten Pflegerinnen und Pflegern aufgeteilt. Arbeitnehmer, die in Vollzeit in der direkten Pflege und Betreuung arbeiten, erhalte bis zu 550 Euro. Altenpflegekräften, die zu mindestens 25 Prozent betreuend oder pflegend tätig sind, wird bis zu 370 Euro ausgezahlt.

 

Wir haben mit der Altenpflegerin Fiona (40) gesprochen und sie nach ihrer Meinung zum anstehenden Coronabonus für die Pflege gefragt.

Hallo Fiona! Danke, dass Du Dir die Zeit für uns nimmst. Wie findest Du den Gesetzesentwurf zum Coronabonus für Pflegekräfte?

Ich finde die Idee hinter dem Entwurf grundsätzlich gut und freue mich natürlich darauf, den Bonus zu erhalten. Die ohnehin schon belastende Arbeit in der Altenpflege ist während der Pandemie noch anstrengender geworden. Deshalb tut es gut, gesehen zu werden und für den Mehraufwand eine Anerkennung zu erhalten.

Trotzdem war ich ehrlicherweise etwas enttäuscht, als ich gehört habe, dass Altenpfleger mit einer viel geringeren Summe “abgespeist” werden. Das schmälert die ursprüngliche Anerkennung und gibt mir das Gefühl, nicht als vollwertige Unterstützung in der Pandemie wahrgenommen zu werden. Dass Pflegekräften auf Intensivstationen einen höheren Bonus erhalten, finde ich aber gut und richtig.

Hättest Du Dir eine andere Verteilung vorgestellt? Und wenn ja, wie könnte sie aussehen?

Könnte ich es mir aussuchen, hätte ich für eine nachhaltige Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Pflege gerne auf einen Coronabonus verzichtet. Auch eine allgemeine Gehaltsanhebung hätte uns allen mehr genützt und uns gezeigt, dass unsere harte Arbeit wertgeschätzt wird. Eine einmalige Zahlung für die – meiner Meinung nach unterbezahlte - Tätigkeit aus über zwei Jahren wirkt dagegen geradezu lächerlich. Wie gesagt, die Idee, Betroffenen eine gewisse Anerkennung zu zeigen, ist gut. Da die Probleme in der Pflege allerdings bestens bekannt sind, hätte ich mir einfach eine andere Umsetzung gewünscht.

Danke Fiona!

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