Das Leben beginnt mit 60 Jahren - die neue „jung-alt” Gesellschaft

Das Leben beginnt mit 60 Jahren - die neue „jung-alt” Gesellschaft

6. Mai 2019

Längere, gesündere Leben führen zu großen Veränderungen im Arbeits- und Privatleben

Ständig wird von unserer alternden Gesellschaft berichtet. Gründe sind zum einen die fallenden Geburtenraten und zum anderen die immer älter werdenden Menschen. Befürchtungen werden lauter, dass das deutsche Sozialsystem instabiler werde, da weniger Berufstätige immer mehr Pensionisten und deren steigende Gesundheitsausgaben tragen müssen. 

Allerdings sind Rentner nicht mehr klassisch „alt”, wie sie es vielleicht vor 40 Jahren waren. Über die letzten Jahrzehnte hat sich das mittlere Lebensalter deutlich ausgedehnt, die „jungen alten” Menschen zwischen 60 und 75 sind aktiv und gesund. Viele Deutsche in dem Alter engagieren sich, ob ehrenamtlich oder wieder in der Arbeitswelt.

Doch dieser Trend wird von der breiten Gesellschaft nicht wirklich erkannt. Viele Arbeitgeber stellen ungern Menschen über 50 Jahre ein. Dabei belegen Studien, dass ältere Menschen tatsächlich produktiver sein können. 

Die Entwicklung der Lebenserwartung von 60 Jährigen hat zugenommen

Arbeit ist ein wichtiger Aspekt, um einen Lebensinhalt zu haben und bietet gleichzeitig soziale Stimulation. In den Regionen der Welt, wo die Menschen am ältesten werden, z.B. auf Ikaria (Griechenland) oder Okinawa (Japan) wird diese Annahme bestätigt. Die Menschen dort nehmen bis zum Tod an gesellschaftlichen Aufgaben teil, wie etwa fischen zu gehen oder Enkelkinder großzuziehen. In Deutschland dagegen gibt es Bingo und Senioren-Kaffeetreffen, um Einsamkeit zu mindern. Diese Aktivitäten erfüllen aber kaum ein Leben.

Die jungen Alten Menschen werden unterschätzt und können dabei beinahe uneingeschränkt am Alltags- und Berufsleben teilnehmen. Ebenfalls sollte sich die Sicht auf die wirklich Alten ändern. 

Die alt-Alten"

Der Pflegenotstand ist ein Beispiel dafür, dass ein würdiges Altern in Deutschland scheinbar keine sehr hohe Priorität hat. Vor allem Senioren brauchen bei der Behandlung auch emotionale Bindungen. Doch Pflegekräfte haben meist keine Zeit, um mehr als nur das nötigste zu tun. 

Ein Blick zu unserem Nachbarn aus den Niederlanden zeigt eine interessante Alternative. Jos de Blok hat sich dem Problem angenommen und einen Pflegedienst gegründet, welcher Pflegefachkräfte in lokale Teams einteilt. Pflegekräfte entscheiden dann, was für die Pflegebedürftigen am besten ist. Sie verabreichen Medikamente, helfen aber beispielsweise auch bei der Essenszubereitung. Eine Pflegefachkraft bringt sogar zu manchen Patienten ihren Hund mit. Das Ergebnis sind zufriedene Patienten, die den Pflegekräften vertrauen und eine emotionale Bindung aufbauen können, da weniger Personal für mehr Aufgaben bereitsteht. Auch den Pflegekräften gefällt der Pflege Job im neuen Format und manche Pflegekräfte sind schon aus der Rente in den Pflegeberuf zurückgekehrt.

Mit 65 Jahren ist man heutzutage selten alt, die jungen Alten haben noch viel Potenzial und sollten vor allem, wenn sie es selbst wünschen, weiterhin in der Arbeitswelt integriert bleiben. Das führt auch dazu, dass der Lebensinhalt erhalten bleibt und das Altern langsamer voranschreitet. Aber auch der Blick auf die wirklich Alten muss sich ändern. Sie brauchen emotionale Bindungen und Abwechslung. Die Holländer zeigen, wie man sich gut um alte Menschen kümmern kann.

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