Flüchtlinge in der Altenpflege – Chance oder Risiko?

Flüchtlinge in der Altenpflege – Chance oder Risiko?

7. November 2018

Personalnot + Flüchtlingskrise = Potenzial? Chancen sind da, eine einfache Rechnung ist es aber leider nicht

Der Hintergrund ist klar: Deutschland hat Unmengen an unbesetzten Pflege Jobs und viele Flüchtlinge sind ohne Arbeit. Lässt sich daraus nicht was machen?

Beispielsweise fordern die Grünen ein Bleiberecht für Flüchtlinge, die Jobs in der Pflege ausüben. Sie argumentieren, dass es mehr als eine Duldung braucht während der Ausbildungszeit. Dadurch würden Flüchtlinge einen Anreiz bekommen, sich zu qualifizieren, und am Ende einem Pflegeberuf nachzugehen. Auch der Deutsche Pflegerat fordert von Staat und Arbeitgebern eine stärkere Beachtung des Potentials und fordert verbesserte Integration von Flüchtlingen in Pflegeeinrichtung.

Bisher ist nicht viel passiert, wenn es um Flüchtlinge in der Pflege geht. Die Zahlen von Flüchtlingen, die Jobs in der Pflege haben sind gering. Die Bundesagentur für Arbeit hat in Deutschland lediglich 319 Geflüchtete registriert, die in der Altenpflege arbeiten.

555.000 Flüchtlinge im Alter von 18 - 35 stehen den derzeit 35.000 offenen Stellen in der Pflege gegenüber

Anstatt die politischen Herausforderungen hier lösen zu wollen, haben wir versucht, uns erstmal ein Bild von der Realität zu machen. Wir wollen herausfinden, wie es abläuft, einen Flüchtling auszubilden und einzustellen. Dafür haben wir mit einer Heimleiterin aus einem Altenpflegeheim in Brandenburg gesprochen. Maria hat die Ausbildungen von 3 Flüchtlingen miterlebt.

„Was mir als erstes auffiel, war der Respekt, den meine Azubis gegenüber den Pflegebedürftigen von Tag eins an aufgebracht haben. Die hohe Wertschätzung von älteren Menschen ist kulturell stärker ausgeprägt als hierzulande. Außerdem waren die drei Jungs überdurchschnittlich gewissenhaft. Auch unbeliebte Aufgaben, wie etwa das Saubermachen, erfüllten sie super.“

Doch die Ausbildung verlief nicht komplett reibungslos: „Stationäre Altenpflege ist ein merkwürdiges Konzept für Nah-Ostler. Bei ihnen wird in der Familie gepflegt. Manche Prozeduren, besonders medizinische, sind ihnen fremd und stoßen auf Unverständnis. Es ist besonders wichtig, klare Ansagen zu machen und richtig anzuleiten.“ Maria fügt hinzu: „Die Sprachbarriere kann auch nicht außer Acht gelassen werden. Die meisten geben sich extrem viel Mühe, aber es dauert einfach, die deutsche Sprache zu lernen. Unterrichtsstoff ist schwerer zu vermitteln, die Kommunikation mit den Pflegebedürftigen kann holprig sein.“ Marias Einrichtung wurde kreativ. Sie bemerkten, dass der schüchterne Masoud, trotz oder gerade wegen seiner begrenzten Deutsch-Kenntnisse, eine sehr beruhigende Wirkung auf einige Demenzkranke hatte. „Er ist ein guter Zuhörer und wird nicht ungeduldig mit ihnen. Perfekt für Demenzkranke!“. Masoud ist mittlerweile examinierte Pflegefachkraft. Er wartet nur noch auf eine Aufenthaltsgenehmigung.

Marias Einrichtung zeigt, dass die Aufnahme von Flüchtlingen ein hohes Engagement erfordert. „Besonders die Mithilfe aller Pflegekräfte möchte ich noch hervorheben. Wir mussten alle an einem Strang ziehen, um ein so zufriedenstellendes Ergebnis zu erreichen.“

Was die Politik am Ende macht, ist eine andere Frage. Wir sehen aber, dass die Integration von Flüchtlingen in der Pflege möglich ist.

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