Impfpflicht im Gesundheitswesen – Fluch oder Segen?

Impfpflicht im Gesundheitswesen – Fluch oder Segen?

3. Januar 2022

Impfpflicht im Gesundheitswesen – Fluch oder Segen?

Die lange diskutierte Impfpflicht ist nun jedenfalls in Pflegeberufen Realität geworden. Der Bundestag und der Bundesrat haben beschlossen, dass alle im Gesundheitswesen Beschäftigten ab dem 15. März 2022 eine vollständige Impfung gegen Corona nachweisen müssen. Der Gesetzesentwurf wurde mit gemischten Gefühlen begrüßt - während ihn die einen für überfällig halten, würden andere lieber ihren Beruf wechseln, als sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen.

 

Maßnahmen in der Pandemie – Impfpflicht für die Pflege

 

Pflegekräfte kommen mit Kranken und älteren Menschen besonders häufig in Kontakt. Die in dem Beruf notwendige körperliche Nähe setzt beide Seiten einem hohen Ansteckungsrisiko aus. Diese Erwägungen bilden laut dem Gesetzesentwurf die Begründung für die Impfpflicht. Das Gesundheitswesen trage eine “besondere Verantwortung”, die eine hohe Impfquote in betroffenen Berufen notwendig mache.

Der Beschluss hat die Diskussionen über die Vor- und Nachteile einer Impfpflicht weiter angefacht. Der Entwurf gibt an, dass nach wie vor 18 Prozent der Pflegekräfte in Altenheimen nicht geimpft sind. Sie werden nun vor eine Wahl gestellt: Lassen sie sich nicht zeitnah immunisieren, können sie ihren Beruf in der Form nicht mehr ausüben.

Dies zeigt das Dilemma, das im Rahmen der Einführung der Impfpflicht scheinbar keine Beachtung mehr fand: Der Beschluss soll der Allgemeinheit zugutekommen und die Gefahr der Infizierung mit dem Corona-Virus reduzieren. Eben diese Allgemeinheit leidet aber am meisten, wenn sich die betroffenen Pflegekräfte tatsächlich dazu entscheiden, sich auch in Zukunft nicht impfen zu lassen. Der Mangel an Arbeitskräften im Gesundheitswesen war schon vor der Pandemie groß. Ausfälle können sich Einrichtungen nun noch weniger erlauben, weshalb die gesetzliche Neuerung die Spannungen zwischen Geimpften und Ungeimpften noch erhöht hat.

 

Verpflichtende Coronaimpfung – Angst vor mRNA, Angst vor dem Virus

 

Dabei sind keineswegs alle ungeimpften Pflegekräfte Impfgegner. Viele von ihnen haben sich ihr Leben lang impfen lassen und stehen lediglich den neu zugelassenen mRNA-Impfstoffen kritisch gegenüber. Die Bezeichnung als Impfgegner und Verschwörungstheoretiker in den Medien gießt Öl ins Feuer und vergrößert die Kluft, die sich zwischen Geimpften und Ungeimpften aufgetan hat.

Sorgen machen sich Betroffene vor allem wegen der Tatsache, dass die Impfstoffe innerhalb kürzester Zeit eine bedingte Zulassung erhalten haben. Normalerweise müssen Impfstoffe fünf bis fünfzehn Jahre lang Testphasen durchlaufen, bevor sie zugelassen werden. Befürworter der Impfung argumentieren hauptsächlich mit der Dringlichkeit der Situation und damit, dass eine Coronaerkrankung das höhere Risiko darstellt.

Probleme bereiten die ständig wechselnden Vorgaben und Empfehlungen von Experten und die Uneinigkeit, die unter Wissenschaftlern selbst herrscht. Während das Robert Koch-Institut und das Paul-Ehrlich-Institut die Impfstoffe als sicher und dringend anzuwenden bezeichnen, gibt es Gegenstimmen (https://correctiv.org/faktencheck/hintergrund/2020/03/18/coronavirus-warum-die-aussagen-von-wolfgang-wodarg-wenig-mit-wissenschaft-zu-tun-haben/), die das Coronavirus als verhältnismäßig harmlos bezeichnen und so die Notwendigkeit einer Impfung infrage stellen.

 

Gegenseitiges Verständnis in schwierigen Zeiten

 

In Pflegeberufen werden beide Meinungen zum Teil mit einer Vehemenz vertreten, die zu Streit und Meidungen unter Arbeitskollegen führt. Ob und wie sich die Situation ändert, wird sich im März zeigen. Dann wird sich die Politik mit der Frage beschäftigen dürfen, ob ungeimpfte Pflegekräfte an anderen Orten mit reduziertem menschlichen Kontakt eingesetzt oder schlicht entlassen werden. Diese Abwägung wird nicht zuletzt von der dann erreichten Impfquote abhängen und der Überlegung, welche Maßnahmen das Gesundheitswesen verkraften kann.

Klar ist allerdings schon jetzt, dass die Debatte um die Coronaimpfung auf dem Rücken der Pflegekräfte ausgetragen wird. Betroffene können die schwierige Situation nur durch gegenseitiges Verständnis und Zusammenhalt in einem ohnehin schon strapazierenden Arbeitsumfeld verbessern.

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