Jede vierte Pflegekraft möchte den Job wechseln

Jede vierte Pflegekraft möchte den Job wechseln

24. März 2022

Ein Interview mit dem Intensivpfleger Tom

Laut einer Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut YouGov im Auftrag des Jobportals Indeed durchgeführt hat, sucht derzeit jede vierte Pflegekraft einen neuen Job. Insbesondere jüngeres Pflegepersonal denkt darüber nach, die Branche ganz hinter sich zu lassen und sich beruflich umzuorientieren. Als Gründe hierfür werden die schlechte Bezahlung und die Überlastung im Berufsalltag angeführt.

 

Unzufriedenheit im Pflegeberuf

In kaum einem Berufsfeld ist der Personalmangel so groß wie in der Pflege. Trotzdem werden hier von Seiten des Arbeitgebers oder des Staats keine effektiven Maßnahmen ergriffen, um die Arbeitsbedingungen nachhaltig zu verbessern. Die hohe Arbeitsbelastung führt dazu, dass immer mehr Pflegekräfte den Job wechseln oder sogar ganz aus der Pflege aussteigen.

Letzteren Wunsch teilen vor allem junge Pflegerinnen und Pfleger zwischen 18 und 34 Jahren. Von ihnen bemühen sich 34 Prozent aktiv um eine neue, branchenfremde Tätigkeit. Zwölf Prozent des derzeit tätigen Pflegepersonals möchte zwar den Beruf wechseln, aber im Gesundheitswesen bleiben. Ganze 69 Prozent denken gelegentlich bis oft darüber nach, ihren Pflegeberuf gänzlich aufzugeben.

 

Intensivpfleger sind besonders oft betroffen

Acht von zehn Intensivpflegern spielen mit dem Gedanken, ihren Job nicht mehr auszuüben. Dies wurde mit der intensiven Arbeitsbelastung (49 Prozent) und dem unangemessenen Gehalt (39 Prozent) begründet. Andere führten die langen Arbeitszeiten und die fehlende Anerkennung durch ihren Arbeitgeber an.

 

Corona-Impfpflicht als Grund für den Jobwechsel?

Die seit März 2022 geltende Impfpflicht für Pflegepersonal wurde lediglich von fünf Prozent der Befragten als Grund für ihren Veränderungswunsch angegeben. Unter den ungeimpften Pflegekräften möchten allerdings sechs von zehn Arbeitnehmer das Berufsfeld ganz wechseln.

 

 

Wir haben mit Tom (39) gesprochen. Der Intensivpfleger arbeitet aus Leidenschaft im Gesundheitswesen. Auch er musste aber mehrfach seinen Job wechseln, bis er mit seinem Arbeitsplatz zufrieden war.

Hallo Tom! Schön, dass Du Dir die Zeit für uns nimmst. Wie empfindest Du die Situation unter Deinen Kollegen? Kennst Du Pflegekräfte, die ihren Job wechseln möchten?

Ich kenne ehrlich gesagt fast keine Pflegerinnen und Pfleger, die nicht über einen Jobwechsel nachdenken – und das unabhängig von Alter, Geschlecht oder privater Situation. Das ist eine ziemlich traurige Realisierung und gleichzeitig eine Gefahr für das Gesundheitssystem. Mein Eindruck ist, dass die Zahlen der wechselwilligen Pflegekräfte steigen. Das Gesundheitswesen bekommt schon kaum Nachwuchs – wie soll es weitergehen, wenn auch das langjährig tätige Pflegepersonal wegfällt?

Das ist in der Tat eine schwierige Situation, die zu wenig Aufmerksamkeit erhält. Du hast auch einige Jobwechsel hinter Dir. Möchtest Du Deine Gründe dafür mit uns teilen?

Bei mir war es meist das Gehalt, mit dem ich unzufrieden war. Auch das Arbeitsklima war in vielen Einrichtungen nicht gut. Das ist in dem fordernden Alltag als Intensivpfleger ein Aspekt, auf den ich gerne verzichte.

Wie siehst Du die Zukunft der Arbeitnehmer im Gesundheitswesen?
Ich glaube, dass der – auch wiederholte – Berufswechsel zunehmend normalisiert wird. Von dem Aberglauben, als Arbeitnehmer müsse man von Anfang an bis zur Rente in einer einzigen Einrichtung arbeiten, rücken zum Glück immer mehr meiner Kollegen ab. Arbeitgeber müssen auf den Markt reagieren und dem hart umkämpften Pflegepersonal jetzt mehr bieten. Das kann eine bessere Bezahlung sein, flexiblere Arbeitszeiten oder einfach nur echte Wertschätzung. Gleichzeitig denke ich, dass es noch Jahre dauert, bis sich die Situation in der Pflege wirklich verbessert.

Danke Tom

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