Persönlicher pflegen - ein Vorschlag aus den Niederlanden

Persönlicher pflegen - ein Vorschlag aus den Niederlanden

13. Mai 2019

Das Buurtzorg-Modell ist in Holland ein Riesenerfolg und schwappt langsam auch nach Deutschland über.

Das Prinzip Buurtzorg: Ein Pflegesystem, das völlig anders ist als bisher. Pflegebedürftige werden aufgenommen, allerdings mit dem Ziel die Pflegebedürftigen wieder loszuwerden. Das heißt, sie soweit zu verselbstständigen, dass der Pflegedienst gar nicht mehr – oder nur kaum noch – gebraucht wird. Bei Buurtzorg handelt es sich um Pflegekräfte, die das soziale Umfeld mit einbeziehen und anlernen. Kein Abhaken mehr von Leistungen, sondern eigenständige Pflege.

Besonders ist, dass die Pflegekräfte ein Zeitkontingent für die Pflegebedürftigen haben. Dementsprechend ist es für sie egal, was in der Zeit gemacht wird (solange es pflegerische Aufgaben sind). Dieses System erlaubt die Pflegebedürftigen tatsächlich danach zu fragen was sie brauchen.

Ein Konzept, welches vielen Pflegebedürftigen und deren Angehörigen gefällt. Denn eigentlich ist die Pflege in Deutschland eng getaktet und wird nach Leistungen abgerechnet. Bei Buurtzorg bleibt sogar Zeit, um sich beispielsweise für die Bedürfnisse und Sorgen der Partner zu kümmern.

Pflegebedürftige und ihre Familien profitieren von mehr Kontinuität, Vertrauen und weniger Personal. Denn im Gegensatz zu herkömmlichen Pflegediensten, die zwar gleich kompetent sind, fehlt der so wichtige persönliche Bezug. Bei großen Pflegediensten ist es nicht ungewöhnlich, dass sich über zehn unterschiedliche Mitarbeiter abwechseln. Gerade demente Menschen können sich darauf kaum einstellen.

Beim Vorreiter Buurtzorg organisieren sich die Pflegekräfte in kleinen Teams. Hierarchie wird bewusst abgelehnt. Pflegekräfte entscheiden selbständig über Budget, Dienstplan und Maßnahmen. Mit mehr Freiheiten kommen aber auch mehr Herausforderungen. Eine gute Begleitung und Schulungen sind notwendig, um Verordnungsmanagement zu lernen oder Dienstpläne schreiben zu können.  

Durchschnittlich verbringen Pflegebedürftig mit Buurtzorgs Pflegediensten weniger Zeit

Buurtzorgs Erfolgsgeschichte begann in den Niederlanden. Der Verantwortliche ist Jos de Blok. Aus seinem Pionier Team mit vier Kollegen hat der Krankenpfleger in zehn Jahren ein Unternehmen mit über 10.000 Mitarbeitern gemacht. De Blok fordert eine Vereinfachung des Gesundheitssystems, dass Qualität verbessern und Kosten reduzieren könnte. Außerdem würde es mehr Pflegekräfte inspirieren in der Altenpflege zu arbeiten. Die Pflegephilosophie aus den Niederlanden räumt seit Jahren Preise ab und findet weltweit Interesse und Nachahmer.

Studien zeigen, dass in den Niederlanden die Arbeitszufriedenheit gestiegen ist und die Kosten gesunken sind. Trotzdem erwarten Experten für Deutschland Herausforderungen. Denn es kommt auch darauf an, ob das Prinzip in ländlichen oder städtischen Regionen implementiert wird, da Nachbarschaftsstrukturen anders sind.

Trotzdem sind viele von dem innovativen Modell angetan. Das Buurtzorg Modell hat Potenzial, durch eigenständige Arbeit mehr Pflegekräften zu inspirieren und am Ende den Pflegebedürftigen an der richtigen Stelle zu helfen. Ein attraktiverer Pflege Job würde außerdem mehr Menschen in die Pflegeberufe bringen.

Noch ist Buurtzorg ein Zusatzgeschäft für wenige Pflegedienste in Deutschland. Wenn Buurtzorg aber weiterhin so wächst wie in der Vergangenheit, dann werden wir auch hierzulande bald mehr davon mitkriegen.
 

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