Roboter in der Pflege – Unterstützung oder Gefahr für Pflegekräfte

Roboter in der Pflege – Unterstützung oder Gefahr für Pflegekräfte

16. August 2020

In Deutschland fehlen schätzungsweise 120.000 Pflegefachkräfte – Tendenz steigend. Bestrebungen dieser Problematik mit künstlicher Intelligenz entgegenzuwirken klingen vielversprechen und sind doch umstritten.

Der demographische Wandel in Deutschland ist mittlerweile in allen Bereichen des öffentlichen Lebens bemerkbar und gefährdet zunehmend auch die Aufrechterhaltung des Versorgungs- und Gesundheitssystems. 

In der Alten- und Krankenpflege fehlen über 100.000 Fachkräfte bei einer kontinuierlich ansteigenden Nachfrage nach Pflegeeinrichtungen. 

Aus diesem Grund wird an vielen Hochschulen und in der Wirtschaft nach künstlicher Intelligenz geforscht, die in der Pflege eingesetzt werden könnte.

Angedacht ist beispielsweise ein Roboter der Übungen zeigen - und die Patienten zum Mit- und Nachmachen animieren kann. Des Weiteren gibt es Roboter, die ausschließlich mit einer Überwachungsfunktion ausgestattet sind und somit einen handlungsschnellen Notfallknopf darstellen, der sofort Alarm schlagen kann.

Eine menschliche Pflegekraft sollen Roboter aber nicht ersetzen, meint Andreas Westerfellhaus (CDU), der Bevollmächtigte der Bundesregierung für Pflege:

„Werkzeuge, die die Arbeit für pflegende Angehörige und für Pflegende erleichtern, aber niemals ersetzen, weil Pflege ist Kommunikation, ist soziale Kommunikation, ist beobachtungsgeprägt, kann nur von Mensch zu Mensch umgesetzt werden.“

Diese Bedenken teilt der Deutsche Ethik-Rat, weist jedoch auch auf die Chancen durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz hin. „Pflegetechniken versprechen Auswege aus der drohenden Pflegekrise. Damit diese zukünftige Entwicklung menschlich gestaltet wird, müssen wir heute die Weichen im Umgang mit der Technik stellen“, so der Vorsitzende Peter Dabrock.

Bislang ist der Einsatz von Robotern in der Pflege jedoch noch kaum verbreitet, wie eine Studie der Berliner Charité in Zusammenarbeit mit dem Zentrum Qualität in der Pflege zeigt. 

Ein Grund hierfür ist, dass Pfleger den Einsatz der kleinen Pflege-Roboter weitgehend kritisch sehen.

Die Pflegekräfte begrüßen zwar technische Hilfsmittel, die ihre Arbeit erleichtern, lehnen aber Maschinen als Ersatz für menschliche Zuwendung ab.

Viele Pflegekräfte sind der Ansicht, "dass technische Geräte im Bereich sozialer und emotionaler Unterstützung sogar zum Verlust menschlicher Wärme führen".

Wie sich Roboter letztendlich in der Pflege einsetzen lassen hängt daher nicht nur von der Forschung, sondern auch der Aktzeptanz der Pflegekräfte ab, die am besten einschätzen können, was an ihrem Arbeitsplatz hilft und was hindert.

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