Sexuelle Diversität in Pflegeheimen – noch immer ein Tabuthema?

Sexuelle Diversität in Pflegeheimen – noch immer ein Tabuthema?

6. Juli 2020

Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt existiert auch unter den Bewohnern von Pflegeeinrichtungen. Dies erfordert eine besondere Sensibilität des Pflegepersonals.

Im Laufe der fortschreitenden Gleichberechtigung und Akzeptanz von sexueller Vielfalt in unserer Gesellschaft hat sich ein Begriff etabliert, der diese Vielfalt allumfassend beschreiben soll: LSBTIQ. 

LSBTIQ steht für Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans-, intersexuelle- und queeren Menschen. 

Eine Personengruppe die sich in Pflegeeinrichtungen ebenso wie in allen anderen Lebensbereichen vorfinden lässt.

Insbesondere in Pflegeeinrichtungen wächst in den letzten Jahren die Aufmerksamkeit und die Forderung nach einem tolleranten und offenem Umgang mit sexueller Vielfalt.

Bei Bewohnern von Pflegeeinrichtungen ist hierbei insbesondere ihre Biografie von großer Bedeutung. 

Viele von Ihnen haben noch erlebt, wie Männer für sexuelle Handlungen rechtlich verfolgt wurden und haben die HIV-Krise mitbekommen. Einige Betroffene wurden zwar entschädigt – mussten aber ihr Leben lang für eine Akzeptant oder sogar Straffreiheit ihrer Sexualität kämpfen. 

Zudem gab es nach dem Krieg auch viele Schwesterehen. Viele Frauen sind in dieser Zeit zusammengezogen, ohne offen lesbisch zu leben. 

Biografiearbeit ist daher ein wichtiger Bestandteil von Methoden, die das Pflegepersonal anwenden kann, um das Verständnis im Umgang mit der Unterschiedlichkeit von Menschen zu fördern.

Gerade in Einrichtungen, in denen Menschen in einer gewissen Abhängigkeit leben, brauche es besondere Unterstützung, damit diese ihre Identität nicht verlieren, empfiehlt Annette Mattfeldt vom Rat-&-Tat-Zentrum für queeres Leben in Bremen.

„Wichtig ist eine Sensibilisierung für verschiedene Identitäten und ein respektvoller Umgang mit Diskriminierungserfahrungen.“

Dies ist jedoch problematisch, da dem Pflegepersonal ohnehin schon viel abverlangt wird. 

Die Bereitschaft die Lebenshintergründe der Menschen zu ergründen und dann berücksichtigen zu können ist definitiv vorhanden – nicht jedoch die Zeit. 

Eines ist jedoch klar: Lesbische, schwule, bi-, trans- und intersexuelle Menschen müssen, auch wenn sie pflegebedürftig werden, von Diskriminierungen verschont bleiben und vor allem das Gefühl haben aktzeptiert und gehört zu werden. Das Pflegepersonal kann ihren Teil dazu beitragen – jedoch nur dann, wenn dafür auch Zeit zur Verfügung steht.   

 

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