Wertschätzung für Pflegekräfte künftig auch finanziell!?

Wertschätzung für Pflegekräfte künftig auch finanziell!?

27. April 2020

Auf Balkongesänge für Pflegekräfte folgt nun der flächendecke Mindestlohn. Doch plötzlich steht der Corona-Bonus auf der Kippe.

Die Corona-Krise wird in Deutschland verschwinden sobald ein flächendeckender Impfstoff verfügbar sein wird. Verschwinden wird leider auch der tägliche Applaus auf den Balkonen Deutschlands für die wahren Helden dieser Zeit: die Pflegekräfte. Was bleiben wird ist der Fachkräftemangel in der Pflege. Und die unangemessen niedrige Entlohnung in dem Sektor. Oder etwa nicht? Die entscheidende Frage ist hier, ob die besondere Wertschätzung die Pflegekräften zurzeit entgegengebracht wird ersatzlos verschwindet, oder sich endlich auch in den Gehältern wiederspiegelt.

Geht es um ein öffentliches Bekenntnis zu unseren Pflegekräften halten sich Politiker und Bürger selten zurück. So genießen Pflegekräfte neben Ärzten und Feuerwehrleiten das höchste Ansehen aller Berufe in Deutschland. 

Geht es jedoch um attraktive Bezahlung und eine vernünftige Work-Life-Balance zeigen Politik und Wirtschaft mit dem Finger auf andere.

Doch die Diskrepanz zwischen subjektiver und finanzieller Wertschätzung scheinen Arbeitsminister Hubertus Heil und Gesundheitsminister Jens Spahn nun zumindest stückweise durchbrechen zu wollen. Zum ersten Mal wurden nun flächendeckende spezifische Mindestlöhne für die Pflegebranche beschlossen. Konkret soll der Lohn für Pflegehilfskräfte bis 1. April 2022 in vier Schritten von heute 10,85 Euro (Ost) und 11,35 Euro (West) auf 12,55 Euro in Ost- und Westdeutschland steigen. Zusätzlich soll ab dem 1. Juli 2021 ein Mindestlohn für Fachkräfte von 15 Euro eingeführt werden, der zum 1. April 2022 auf 15,40 Euro steigen soll – branchenweit verbindlich.

Als Erklärung für diesen Schritt führt die Bundesregierung auf, dass in der Corona-Epidemie einmal mehr zu spüren sei, wie wichtig Pflegekräfte für die Gesellschaft sind. Ihre verantwortungsvolle Aufgabe solle besser honoriert werden als bisher.

Die Botschaft an die Bürger ist eindeutig: Für die Beitrags- und Steuerzahler muss das Bewusstsein geschaffen werden, dass künftig mehr Gelder für die Pflege aufgewendet werden müssen. Wird dies nicht angenommen, könnte sonst langfristig ein Zusammenbruch des Pfelgesektors drohen.

Doch wie so oft kommen gute Nachrichten aus der Politik nicht ohne (vermeidliche!) Kompromisse aus. Auf der Kippe steht nun der von Gesundheitsminister Spahn versprochene 1500€ Bonus für Altenpfleger in der Corona-Krise. Pflegekassen, Länder und Arbeitgeber wollen ihren Anteil an den geschätzten Kosten von rund einer Milliarde Euro möglichst klein halten und auf andere abwälzen. 

Das über die Finanzierung des Bonus diskutiert wird ist vollkommen legitim. Führen die Verhandlungen jedoch zu einem Rückzieher in Sachen Corona-Bonus gäbe dies der Mindestlohn-Entscheidung einen mehr als bitteren Beigeschmack. 

Frei nach dem Motto: Ein Schritt vor, zwei Schritte zurück.

 

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