Geld vs. Zugehörigkeit: Das große Abwägen zwischen Zeitarbeit und Festanstellung

Geld vs. Zugehörigkeit: Das große Abwägen zwischen Zeitarbeit und Festanstellung

28. August 2018

Der Zeitarbeiter Tom zeigt die Chancen - und Grenzen - der Zeitarbeit in der Altenpflege auf

Fragst du dich auch, weshalb immer mehr Pflegekräfte in die Zeitarbeit wechseln?

Wenn du wissen möchtest, was den Altenpflege Job als Zeitarbeitnehmer so gefragt macht und welche Nachteile es mit sich bringt, dann solltest du unbedingt weiterlesen, denn genau das werde ich Dir in diesem Artikel näherbringen.

Mein Name ist Tom, angestellter Altenpfleger in Berlin einer Zeitarbeitsfirma.

Vorteile der Zeitarbeit

Das Gehalt der Pflege Jobs in der Altenpflege ist ein großes Thema, zu geringe Bezahlung trotz hoher Arbeitsbelastung.

Oft werde ich gefragt, "du sag mal Tom, was verdienst Du eigentlich als Leiharbeiter?". Ungern gebe ich darauf eine Antwort, denn über Geld redet man ja nicht ;-) Meiner Erfahrung nach verdienen Zeitarbeiter aber etwas mehr als festangestellte Pflegekräfte.

Für mich als Zeitarbeitnehmer ist auch ein weiterer Vorteil, dass ich bezüglich des Dienstplans mehr Mitspracherecht habe.

Wünsche werden eher berücksichtigt und die Einrichtungen passen sich dem Zeitarbeiter in den meisten Fällen an.

Unabhängig davon muss sich ein Zeitarbeitnehmer bei seiner Urlaubsplanung nicht mit den Kollegen absprechen. Denn die Urlaubswünsche gehen an den Arbeitgeber und dieser entscheidet letztendlich.

Jeder kennt es, man wird an einem freien Tag angerufen und wegen Krankheitsfällen oder ähnlichem zum Dienst gerufen. Es kommt selten vor, aber der Kunde kann natürlich auch den Zeitarbeiter fragen, ob er einspringen möchte. Dies wäre aber freiwillig und wären dann selbstverständlich bezahlte Überstunden.

Für die Kollegen, die nicht so auf Qualitätsmanagement, Pflegeplanungen oder andere nebendienstliche Tätigkeiten am PC oder im Büro stehen, gewinnen durch die Zeitarbeit einen weiteren Vorteil für sich. In der Regel ist dies nicht die Aufgabe der Leasingkraft.

Einrichtungen werden oft gewechselt, das stimmt. Das mag als Vorteil oder als Nachteil gesehen werden. In der Regel besteht ein Arbeitseinsatz aus mehreren Monaten.

Mit der Zeit lernt man viele Arbeitsweisen und Strukturen kennen, das bringt einem selbst unheimlich viel für den Pflege Job. Irgendwann weiß man einfach, was funktioniert und wie man mit gewissen Situationen umgeht. Denn meist haben Mitarbeiter, die zu lange in derselben Einrichtung arbeiten, Probleme sich an neue Arbeitsweisen zu gewöhnen.

Die meisten Zeitarbeitsfirmen bieten den Mitarbeitern die Möglichkeit, einen Firmenwagen zu bekommen und bezahlte Fortbildungen gibt es in der Regel auch. Hier ist es aber auch von Firma zu Firma unterschiedlich.

Der Anteil der Zeitarbeiter macht lediglich 1,6% der Angestellten in der Pflege aus.Der Anteil an Zeitarbeitern in der Pflege wächst schnell.

(Zeitarbeiter machen lediglich 1,6% der Angestellten in der Pflege aus. Die Zahl nimmt aber rasant zu)

Die Zeitarbeit hat auch Nachteile

Der meines Erachtens größte Nachteil wäre der ständige Wechsel zwischen den Einrichtungen.

Die einen können es, die anderen nicht. Als Zeitarbeitnehmer muss man flexibel sein und sich schnell an neue Arbeitssituationen, Kollegen und Bewohner gewöhnen. Für Einarbeitungen fehlt oft die nötige Zeit, folglich ist es manchmal schon schwierig.

Es kann auch vorkommen, dass der nächste Einsatzort vielleicht über 50 Kilometer weit weg sein könnte, darauf sollte man sich einstellen. Lange Fahrten zähle ich somit auch zu den Nachteilen.

Mir ist auch aufgefallen, dass man als Zeitarbeiter der Erste ist, der zwischen den Stationen springt und aushilft wo man gerade benötigt wird. Unterforderung für zu einfache Aufgaben und Überforderung für Aufgaben, mit denen man vorher nie vertraut war, schlagen aufs Gemüt.

Vor allem mit den Kollegen ist es mir häufiger schwer gefallen. Gerne wird man abgestempelt als Leiharbeiter und nie richtig integriert. Wenn ich mich dann fühle, als sei ich angekommen, hat es oft so lange gedauert, dass es bald wieder Zeit ist, zu gehen.

Zwar kann Leiharbeit bestimmt kurzfristig für Stress-Entlastung sorgen, da man nicht “vollständig” zum Betrieb gehört und sich von stationsinternen Problemen nicht so runterziehen lässt. Ich vermisse aber das Zugehörigkeitsgefühl zu einer Einrichtung und die Beziehungen zu Kollegen. Ich habe auch das Bedürfnis mich für bessere Bedingungen einzusetzen und Ideen einzubringen, aber als Leiharbeiter macht das wenig Sinn.

Die ernsthafte Bindung zu den Pflegebedürftigen fehlt mir. Man baut zwar auch gute Beziehungen zu den Senioren über ein paar Monate auf, aber dann zu gehen fällt umso schwerer. In der neuen Einrichtung muss ich dann wieder von neuem die Skepsis der Bewohner überwinden.

Moralisch tue ich mich ebenfalls schwer mit der Leiharbeit: Einrichtungen leiden unter der Personalnot und finden keine Pflegekräfte. Zwangsweise müssen sie zu teureren Leiharbeitsfirmen zurückgreifen, um temporäre Missstände auszugleichen. Hier verdienen die Zeitarbeitsagenturen mit jeder geleisteten Arbeitsstunde mit - Geld, was auch den Stammkräften zufließen könnte.

Personalmangel gibt es fast überall, und genau da werden Leasingkräfte gebraucht. Da sollte man nicht mit Top-Besetzungen rechnen. Viele Einrichtungen sind auch schon so weit gefallen, dass das Arbeiten dort kein Traum ist.

Fazit

Sagen wir mal so, ich bin nicht tot unglücklich als Zeitarbeitnehmer zu arbeiten, liebäugle aber wieder damit, stationär fest angestellt zu sein. In der Zeitarbeit verdiene ich sicherlich etwas besser und habe relativ verlässliche Dienstpläne.

Trotzdem ist es schwierig die Leiharbeit mit der Familie und Hobbies zu vereinbaren. Häufig fühle ich mich erst richtig wohl in der jeweiligen Einrichtung, wenn es schon wieder “Tschüss” sagen heißt. Dann kriege ich eventuell eine neue Einrichtung zugeteilt, die weiter weg liegt und wo schlechtere Arbeitsbedingungen vorherrschen. Ich frage mich manchmal, ob ich nicht besser bei einem guten Arbeitgeber mit einem Altenpfleger Job in der Festanstellung aufgehoben wäre.

Schlussendlich möchte ich sagen: Jeder muss für sich selbst entscheiden, was das Richtige ist!

Wie funktioniert Pflegia? Interessiert? Registriere dich jetzt auf Pflegia

Ähnliche Beiträge

Bundesländervergleich des Pflegenotstands in der Altenpflege

Bundesländervergleich des Pflegenotstands in der Altenpflege

Wie unterscheiden sich die unbesetzten Stellen für examinierte Altenpflege Jobs von Bundesland zu Bundesland in Deutschland?

Altenpflege auf dem Bauernhof

Altenpflege auf dem Bauernhof

Den Bauern fehlt es an Zuerwerb während viele Pflegebedürftige keinen Pflegeplatz finden. Könnte man das nicht zusammenführen?